Camembert aus der Elbmarsch

Aus: HAN Harburger Anzeigen und Nachrichten vom 13. Mai 2000

Fahrenholz (dey). Zugegeben: Der 170-Seelen-Ort versteckt sich wirklich gut in der Marsch östlich von Winsen. Doch ein Abstecher nach Fahrenholz lohnt sich nicht nur wegen der reizvollen Landschaft, sondern auch wegen eines im Kreis Harburg einzigartigen Betriebes: der Landkäserei Fehling.

Seit fünf Jahren tritt Betreiberin Ulrike Fehling gegen die Klischees an, die jedem Konsumenten beim Anblick eines Supermarkt-Kühlregals in den Sinn kommen: Käse kommt aus Holland, Frankreich oder Griechenland, ist in Plastik eingeschweißt und schmeckt trotz hunderter Sorten irgendwie immer gleich. All das trifft auf die Produkte mit dem Storch nicht zu. Denn genauso wie das Tier nicht nur auf dem Etikett existiert, sondern wirklich auf dem Dach des Hofes nistet, ist auch der Käse ein echtes Naturprodukt. "Wir verwenden keine Konservierungs- und Farbstoffe", versichert Ulrike Fehling. Und natürlich kommen die jährlich 40.000 Liter Milch, die ohne pasteurisiert zu werden zu rund 4000 Kilo Käse verarbeitet werden, von den hofeigenen 15 Kühen.

"Es liegt voll im Trend, dass die Leute wieder wissen wollen, woher die Produkte kommen", hat Ulrike Fehling erkannt. Dennoch musste die 30-Jährige ganz schön kämpfen, bis ihre Käserei etabliert war. Nicht nur, dass die Behörden erstmal grübelten, welche Auflagen zu erfüllen waren, auch das Handwerk wollte gelernt sein. Dank viel Literatur, der Hilfe ihrer Familie und einer Bekannten sowie VHS-Kursen hat sich die Mutter zweier Töchter durch die Anfangsjahre gepaukt.

"Man muss sich auf seine Erfahrungen verlassen", ist ihre wichtigste Erkenntnis. Wann die mit Lab angereicherte frische Milch ausreichend dick ist, wann gerührt und geschnitten werden muss, wie es sich mit der Molke verhält, die Geheimnisse des Würzens und Salzens und später das Lagern - alles eine Frage der Erfahrung.

Beim Reifen lässt Ulrike Fehling dem Käse viel Zeit: Im Gegensatz zu manchen Großkäsereien, die den Prozess aus wirtschaftlichen Gründen durch hohe Raumtemperaturen beschleunigen, lagert der Käse in Fahrenholz kühl und daher länger. Fehling: "So bekommt er mehr Geschmack." Das entspricht auch ihrem ehrgeizigen Ziel: "Ich will ein frisches Produkt herstellen, das gut schmeckt."

Die Landkäserei Fehling, Schulweg 1, bietet sechs verschiedene Gouda-Sorten, milden Camembert, Weichkäse in Öl (Feta-ähnlich) und Quark an. Die Produkte werden außer auf dem Hof und im Sparmarkt in Marschacht in 20 Hofläden im ganzen Kreisgebiet angeboten. Ulrike Fehling freut sich über weitere Interessenten, die ihre Produkte vertreiben möchten. Unter 04179/7477 können auch Führungen vereinbart werden. Für einen kleinen Obolus pro Nase wird die Produktion erklärt und eine Kostprobe gereicht. Am Sonnabend, 27., und Sonntag, 28. Mai, präsentiert sich die Käserei übrigens beim "Spargel- und Schinkentag" sowie bei der Veranstaltung "Käse des Nordens" jeweils im Kiekeberg-Museum in Ehestorf.

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